Sind klassische digitale Kameras vom Aussterben bedroht?

Sind klassische digitale Kameras vom Aussterben bedroht?

Nach Jahren habe ich mir eine neue “professionellere” Kamera gekauft. Eine Fujifilm X-T30.

Gründe: Gute Erfahrungen mit Fujifilm in der Vergangenheit und das Retro-Design hat es mir angetan.

“Retro aussen, top modern innen”, so nahm ich an.

Quelle: Fujifilm

Was macht eine richtige Kamera besser als ein Smartphone?

Nachdem ich jahrelang nur noch mit dem Smartphone (HTC U-11+) fotografiert hatte, wollte ich wieder mal eine “richtige Kamera”. Das waren meine Beweggründe:

  • Bessere Qualität, mehr Auflösung und Spielraum bezüglich Bildausschnitt.
  • Eingebauter Blitz mit Aufsteckblitz-Option
  • Physischer Zoom, bzw. überhaupt Zoom ohne technische Trickesreien.
  • Mehr Möglichkeiten mit Wechselobjektiven.
  • Neugier bezüglich der technischen Entwicklung!

Ohne Zweifel ist die Kamera spitze; gehört zu den besten ihrer Klasse. Leider ist das Konzept und die Neuerungen der Kamera, wie auch aller anderen ähnlichen Kameras (DSLR / DSLM) auf dem Markt wenig innovativ.

Ich hatte mich mit dem Smartphone an eine schnelle, spontane und intuitive Art des Fotografierens gewöhnt. Die wenigen Funktionen und Möglichkeiten erhöhten meine Kreativität. Nun hatte ich wieder eine “echte” Kamera in der Hand mit unzähligen Knöpfen und einer 300-seitigen Anleitung. Nur Dank des Automatik-Modus reduzierte sich der erste Frust für mich als “degenerierten Smartphone-Fotografen”.

Erste Erkenntnis: Die Fujifilm X-T30 ist nichts für degenerierten Smartphone-Fotografen.

Die Fujifilm X-T30 ist für Leute, die seit Jahren das klassische Bedienkonzept einer Kamera kennen und sich mit Blende, Verschlusszeiten und ISO-Werten auskennen. Das muss geübt sein. Smartphone-Fotografen müssen erst ein paar Kurse belegen, Bücher wälzen oder YouTube-Videos reinziehen, bis sie die Prinzipien annähernd verstehen; aber noch lange nicht beherrscht.

So werden Smartphone-Fotografen abgeholt, versucht zurück zu gewinnen

Klar gibt es ein paar Goodies für Smartphone-Fotografen:

  • Automatik-Modus mit Motiv-Programmen
  • Panorama Funktion; macht der Profi zwar besser mit Software.
  • Video-Funktion bis 4k
  • Eingebauter Blitz, statt trauriger LED-Leuchte
  • Touchscreen
  • Koppelung mit Smartphone für GPS-Tagging und Foto-Transfer für’s Social-Media-Sharing. Funktioniert, aber äusserst krakelig.
  • Foto-Übertragung via WLAN. Geht zwar manchmal, aber die Software scheint aus den 90er-Jahren zu sein; funktioniert lahm und unzuverlässig; ist nicht ausgegoren.

Schmerzlich vermisst:

  • Manuelles setzen des Bereiches, der Fokussiert werden soll; auch im Automatik Modus wie auf dem Smartphone. Geht nicht; dafür gibt es wenigstens eine Gesichtserkennung.
  • GPS Tagging; darauf musste man wohl verzichten, weil die Kamera dank 4 quad-core CPU schnell warm wird und der Akku nicht all zulange hält (sollte täglich voll aufgeladen werden).
  • HDR Funktion. Kann doch jedes Smartphone heutzutage!
    Der Profi löst das mit einer Belichtungsreihe und Software (Empfehlung: nikcollection) auf dem PC.

Man stellt fest, die Fujifilm X-T30 zielt klar ab auf die klassischen Fotografen. Weil selbst diese ein Smartphone haben, gibt es noch ein paar Innovations-Krümel aus der Smartphone-Welt dazu. Mehr Marketing getrieben als wirklich brauchbar…

Zweite Erkenntnis: Die klassischen Kamera-Hersteller scheinen eher rückwärts- als vorwärtsgerichtet. Es fehlt an wirklichen Innovationen.

Naht der Tod der klassischen Kameras?

Liebe klassische Kamera-Hersteller

Die Kamera-Funktionen bei Smartphones entwickeln sich rasend schnell. Ihr solltet euch bewegen! Es ist höchste Zeit für neue, innovative Kamera-Konzepte, damit nicht weiter Marktanteile wegbrechen. Eure Kunden könnten langsam aussterben. Es scheint, als warte man lethargisch zu und sonnt sich auf dem Bisherigen. “Lässt sich selber aussterben” wie damals Kodak.

Der erste Kamera-Hersteller, der ein neues intuitives Bedienkonzept erfindet, wird den Markt dominieren; zumindest eine Zeit lang oder ohne auszustreben. ähnlich dem ersten iPhone 2007, oder Tesla in der Autoindustrie.

Innovative Konzepte

Light L16 Camera: Statt mit Wechsel-Objektiven zu jonglieren, wäre es doch einfacher, alle Objektive sind stets in der Kamera drin und fotografieren alle gleichzeitig. Das Unternehmen gibt es leider nicht mehr. War aber offenbar inspirierend; die Idee haben zahlreiche Smartphones aufgenommen indem sie laufend mehr Linsen in die Geräte einbauen.

Mit der Lytro Illum kann man dank innovativer Lichtfeld-Technologie den Fokuspunkt selbst nach der Aufnahme beliebig ändern. Der Autofokus wird überflüssig; keine Fotos mehr auf denen der falsche Bereich scharf ist. Die Kamera scheint es so nicht mehr zu geben, bzw. die Firma ging über an: raytrix.de

Fazit

Die klassischen Kamera-Hersteller tuen zu wenig, um die Smartphone-Fotografen (zurück) zu gewinnen.

Wirkliche Innovationen bei den Foto-Kameras scheinen erst als Konzepte zu schlummern oder werden von Smartphone-Herstellern übernommen. Die klassischen Kamera-Hersteller operieren leider immer noch mit Marketing-Innovationen, welche erst noch bei der Smartphone-Konkurrenz kopiert wurden. Ich hoffe da kommt bald einmal was wirklich Neues!

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englische Übersetzung des Artikels

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